Redemanuskript bei der Montagsmahnwache am Sendlinger Tor am 09.06.2014

verantwortlich: Spoxx, Noreen & Andreas
es gilt – wie immer – das gesprochene Wort…

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Die Empörung steht als allererstes.
Das unbestimmte Gefühl zu haben irgendwas stimmt da nicht. Man fühlt sich verarscht, hintergangen, die Welt von der man glaubte sie sei wahr – ist es auf einmal nicht mehr.
Man empfindet Wut. Angst vielleicht sogar.

Wahrscheinlich kommen hier zur Mahnwache auch Menschen, die Angst haben. Angst vor einem Krieg, der so nah ist und vielleicht nicht räumlich begrenzt bleibt. Das bestimmende Moment aber, warum ihr hier seid, ist hoffentlich die Empörung. Nämlich zum Beispiel darüber, dass die meisten Medien in den letzten Monaten sehr einseitig berichtet haben, nämlich “alles, was der Westen macht, ist gut und richtig” und alles andere, insbesondere Putins Handlungen sind falsch, wenn nicht sogar “böse”, weil wir im Westen wollen doch nur das Gute. Die Medien wollen uns Glauben machen, dass die Assoziierung an die EU das einzig Gute für die Ukraine ist. Das ist in der Tat empörend, Es verletzt unsere Intelligenz. Weiterlesen

Unpolitisch – weder rechts noch links?

Kann man unpolitisch für den Frieden sein?

Nicole hat es bereits 1982 beantwortet:

Mit anderen Worten: Nein.

Unpolitisch für den Frieden zu sein ist Sozialromantik. In Deutschland, der EU, in Russland und in den USA, in der Ukraine und in Syrien gibt es Interessen. Herrschende Interessen z.B. der politischen Entscheider, der großen Konzerne, der Oligarchen. Es gibt Feindbilder, Stigmatisierung zur Absicherung dieser wirtschaftlichen und politischen Interessen.

Das Gegensatzpaar von „rechts“ und „links“ ist nach wie vor aktuell, die Grundkonflikte, die das menschliche Zusammenleben immer wieder in den Krieg führen, bestehen fort. Es ist die Komplexität, die sprachliche Verwirrung, der zum Teil erfolgreiche Versuch der Verschleierung der wahren Interessen z.B. der gesellschaftlich herrschenden Eliten, warum wir dieser Unterscheidung nicht mehr trauen.

Immer dann, wenn Einzelinteressen auf Kosten legitimer Interessen der Allgemeinheit der Menschen wie Rechte auf gesunde und ausreichende Nahrung, gleichberechtigte Teilhabe, Gesundheit für alle durchgesetzt werden sollen, ist dies „rechts“, es führt zu Verteilungskämpfen, fördert Aggression und Gewaltbereitschaft. Wer die schlechteren Bildungsabschlüsse von Migrantenkindern rechtfertigt, der „Rasse“ oder Religion zuschreibt, argumentiert „rechts“. Wer Arbeitslose und Hartz-IV-EmpfängerInnen für ihre Situation selber verantwortlich macht, argumentiert „rechts“. Wer sich nicht die Mühe macht, die Zusammenhänge zu verstehen und die Argumentationsmuster aufzudecken, ist im Zweifel auch empfänglich für „rechte“ Argumentationen ohne es zu merken. Wie auch?

Wenn es uns gelingt, solidarischen, kooperativen und selbstbestimmten Wegen des Zusammenlebens Vorrang zu geben, ist dies „links“. Also reden wir über ein Bildungssystem, dass allen gleiche Chancen bietet, also auch die jeweils notwendige Zeit und Unterstützung bietet, dass sich unsere Kinder optimal entwickeln können. Das wäre „links“, genauso wie klar zu benennen, wer schon allein durch das Schüren von Angst vor dem Krieg Geld verdient (nämlich die Rüstungsindustrie – auch in München), was dann an anderen Stellen in unserer Gesellschaft, z.B. bei ErzieherInnen, Altenpflegerinnen und LeherInnen fehlt.

„Rechte“ Argumentationsmuster sind immer so schön einfach: schuld sind die Schwachen selber, schuld sind die Großbanken, die Russen, die Amerikaner, die Asylbewerberinnen. Vermeintliche „Lösungen“ also auch ganz einfach. Verführerisch aber falsch.

Die Welt ist kompliziert, es gibt keine einfachen Antworten und in der Regel ist auch nicht ein Einzelner oder eine bestimmte Gruppe schuld. Unsere Argumentationen können deshalb auch nie einfach sein. Wer dauerhaft Frieden will, wird sich wohl oder übel auf diese Komplexität einlassen müssen.

Grundsatzpapier vom Mai 2012

Nachdem es im letzten Plenum im EWH und an mehren Stellen schon Nachfragen gab, hier das im Frühjahr 2012 erarbeitete Grundsatzpapier. Nach wie vor die Grundlage für die politische Standortbestimmung von EDJM.

Kooperation statt Konkurrenzdenken… Internationale Solidarität…
Es lohnt sich, noch einmal mehr nachzulesen. „Wir müssen Demokratie neu und als Prozess begreifen lernen. Und diesem Prozess muss die Frage vorangehen: Wie können wir Hierarchie- und Machtstrukturen abbauen mit dem Ziel der freien Entfaltung des Individuums und zum Wohl der Gemeinschaft? (…) Wir sind Teil einer international solidarischen Bewegung.“

(kann es sein, dass es irgendwo noch die Datei ohne den Aufruf zu 12M gibt?)

Unsere Kultur – zum Frieden unfähig?

Anfangen möchte ich mit einem Zitat von Arno Gruen:

„Unsere Kultur macht es Menschen sehr schwer, ein eigenes freies Selbst zu entwickeln, weil sie das innere Erleben abwertet und Äußerlichkeiten wie Besitz und Status zum Maßstab des persönlichen Selbstwertes erhebt. Gleichzeitig sind in dieser Kultur Gewalt, Dominanzstreben und Rivalität als „positive“ menschliche Qualitäten verankert. Zugespitzt könnte man sagen: Wer im Konkurrenzkampf um Status und Besitz gewinnt, darf sich als stark und bedeutungsvoll erleben. Die „Verlierer“ jedoch, die sich – aus welchen Gründen auch immer – keinen Anteil sichern können, werden als unbedeutend und weniger wert angesehen.“

Arno Gruen: „Ich will eine Welt ohne Kriege“, Klett-Cotta

Unsere Kultur und unser Wirtschaftssystem setzen auf Konkurrenz statt Kooperation. Wer gewinnt, ist ein Held. Helden sind ganz wichtig, mit ihnen kann man sich identifizieren, gerade weil kaum noch Platz für Mitgefühl bleibt. Flüchtlinge, die in Mittelmeer ertrinken; griechische Mütter, die kein Geld haben, um mit ihrem Neugeborenen zum Kinderarzt zu gehen, weil das öffentliche Krankenversicherungssystem nahezu zusammengebrochen ist; Flaschen sammelnde Hartz-IV-EmpfängerInnen in München – kein Platz für Mitgefühl und Solidarität.

Gewalt wird in unserer Gesellschaft heroisiert, spätestens nach 9/11 begann der Krieg gegen den Terror, der Kampf „Gut“ gegen „Böse“. Wer einen Terroristen tötet, ist ein Held. Militärisches Eingreifen in Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien gehören zum politischen Handwerk des Westens, sind also auch Teil unserer Kultur. Das Erbe von 500 Jahren europäischer Kolonialgeschichte schimmert da mehr als deutlich durch. Weiterlesen