Schweigen

Anfang dieses Jahres gab es ein bedauernswertes Ereignis in unserem Asylbewerberheim: Brandstiftung – Gott sei dank, nur im Bürotrakt.
Da keine Täter gefasst wurden, sah die Stadtverwaltung auch keinen Grund, rechtsextreme Beweggründe zu verurteilen. Um daraus kein Wahlkampfthema werden zu lassen, dauerte es auch fast 2 Monate bis öffentlich Solidarität mit den Flüchtlingen angemessen gezeigt wurde. Ansonsten war in punkto tatkräftiger Unterstützung nichts auszusetzen. Nur die Tatsache, dass die Stadt, die Caritas und der AK Asyl darauf bestanden, nicht darüber zu reden, fand ich ziemlich beängstigend.
Schweigen der Massen, heute Bystanding genannt, war früher (1933? – nee, da war es schon zu spät… ) auch schon mal falsch. Ihr Argument war, eine rechte Szene könne auch herbeigeredet werden. Ich denke, solch eine Szene entsteht nicht durch Dialog, sondern kommt dadurch allerhöchstens an die Oberfläche und kann dann besser aufgefangen werden. Und dass Reden nur hilfreich sein kann, ist doch keine besonders neue psychologische Erkenntnis.
Und wenn sich nicht deutlich von Gewalt distanziert wird, sehen das die Faschos auch eher als Bestätigung. Ihre Angstmache trägt dann Früchte.
Nach dem NSU-Eklat in Obermenzing und dem Brand in Gauting, rückte die Problematik dann doch noch näher. Jetzt quillt gerade die Bayernkaserne über, obwohl die Mc Graw-Kaserne auch zu haben wäre und frühzeitiges Kommunizieren die Akteptanz in betroffenen Vierteln möglicherweise erleichtert hätte. Nun betrifft das auch uns in Germering…

Sicher ist es ein sehr delikates Thema, aber Ignorieren ist bestimmt nicht der goldene Mittelweg. Deutschen fällt es zugegebenermaßen schwer und es wird ihnen auch nicht leicht gemacht, darüber zu reden, dass beipielsweise eine Angst vor Fremdem und Unbekanntem etwas urmenschliches ist – zumindest bei ängstlicher Konstitution oder in zunehmendem Alter.
Asylgeben entspricht dennoch der christlichen Ansicht von Mitmenschlichkeit und lässt sich mit kulturellen Vorbehalten im Abendland dadurch schlecht wegdiskutieren. Deutschland ist nun auch eher auf der Gewinnerseite der Weltökonomie, die die Flüchlingsströme eben produziert.
Zurück aber zu unserer näheren Umgebung. Den Asylbewerbern selbst war schon im Frühjahr Ruhe sicherlich am förderlichsten und unkordinierter Helfertourismus führt oft nur zu Chaos.  Wer helfen mag, kann sich hier informieren. www.caritas-nah-am-naechsten.de/Caritas-Zentrum/Fuerstenfeldbruck

Ein Gedanke zu „Schweigen

  1. Anmerkung von lokalpolitischer Seite:
    “ Die Behauptung “ … Um daraus kein Wahlkampfthema werden zu lassen, dauerte es auch fast 2 Monate bis öffentlich Solidarität mit den Flüchtlingen angemessen gezeigt wurde.“ … zu Beginn des Artikels stimmt nicht.

    Der Germeringer Stadtrat hat wenige Tage nach dem Brand eine gemeinsame Erklärung heraus gegeben. Sie stand
    damals u.a. auf der Homepage der Stadt Germering, im amtlichen Mitteilungsblatt, in den Lokalteilen von SZ und Merkur, auch auf den Seiten der örtlichen Parteien. Bei den Grünen nachzulesen unter
    http://www.gruene-germering.de/aus-dem-stadtrat/amtszeit-2008-14/gruene-ideen-fuer-germering/?no_cache=1&expand=499922&displayNon=1&cHash=f226508fc2f1a439173dbc621e17f1ee

    und
    “ Ein von der Stadt und im Flüchtlingsbereich tätigen Institutionen anberaumtes Pressegespräch, das über die städtische Flüchtlingsarbeit aufklärte und in dessen Rahmen Solidarität bekundet wurde, fand am Mittwoch, den 05.03.2014, also in der „heißen Phase“ vor der Kommunalwahl in der Stadthalle statt. “

    Was angemessen ist, ist natürlich dehnbar. Dass das Reden über das Thema meiner Meinung nach unnötig schwer fällt, ist am Datum der Pressetermins weiterhin zu erkennen, da der Vorfall doch schon Anfang Januar war.

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