Unpolitisch – weder rechts noch links?

Kann man unpolitisch für den Frieden sein?

Nicole hat es bereits 1982 beantwortet:

Mit anderen Worten: Nein.

Unpolitisch für den Frieden zu sein ist Sozialromantik. In Deutschland, der EU, in Russland und in den USA, in der Ukraine und in Syrien gibt es Interessen. Herrschende Interessen z.B. der politischen Entscheider, der großen Konzerne, der Oligarchen. Es gibt Feindbilder, Stigmatisierung zur Absicherung dieser wirtschaftlichen und politischen Interessen.

Das Gegensatzpaar von „rechts“ und „links“ ist nach wie vor aktuell, die Grundkonflikte, die das menschliche Zusammenleben immer wieder in den Krieg führen, bestehen fort. Es ist die Komplexität, die sprachliche Verwirrung, der zum Teil erfolgreiche Versuch der Verschleierung der wahren Interessen z.B. der gesellschaftlich herrschenden Eliten, warum wir dieser Unterscheidung nicht mehr trauen.

Immer dann, wenn Einzelinteressen auf Kosten legitimer Interessen der Allgemeinheit der Menschen wie Rechte auf gesunde und ausreichende Nahrung, gleichberechtigte Teilhabe, Gesundheit für alle durchgesetzt werden sollen, ist dies „rechts“, es führt zu Verteilungskämpfen, fördert Aggression und Gewaltbereitschaft. Wer die schlechteren Bildungsabschlüsse von Migrantenkindern rechtfertigt, der „Rasse“ oder Religion zuschreibt, argumentiert „rechts“. Wer Arbeitslose und Hartz-IV-EmpfängerInnen für ihre Situation selber verantwortlich macht, argumentiert „rechts“. Wer sich nicht die Mühe macht, die Zusammenhänge zu verstehen und die Argumentationsmuster aufzudecken, ist im Zweifel auch empfänglich für „rechte“ Argumentationen ohne es zu merken. Wie auch?

Wenn es uns gelingt, solidarischen, kooperativen und selbstbestimmten Wegen des Zusammenlebens Vorrang zu geben, ist dies „links“. Also reden wir über ein Bildungssystem, dass allen gleiche Chancen bietet, also auch die jeweils notwendige Zeit und Unterstützung bietet, dass sich unsere Kinder optimal entwickeln können. Das wäre „links“, genauso wie klar zu benennen, wer schon allein durch das Schüren von Angst vor dem Krieg Geld verdient (nämlich die Rüstungsindustrie – auch in München), was dann an anderen Stellen in unserer Gesellschaft, z.B. bei ErzieherInnen, Altenpflegerinnen und LeherInnen fehlt.

„Rechte“ Argumentationsmuster sind immer so schön einfach: schuld sind die Schwachen selber, schuld sind die Großbanken, die Russen, die Amerikaner, die Asylbewerberinnen. Vermeintliche „Lösungen“ also auch ganz einfach. Verführerisch aber falsch.

Die Welt ist kompliziert, es gibt keine einfachen Antworten und in der Regel ist auch nicht ein Einzelner oder eine bestimmte Gruppe schuld. Unsere Argumentationen können deshalb auch nie einfach sein. Wer dauerhaft Frieden will, wird sich wohl oder übel auf diese Komplexität einlassen müssen.

Ein Gedanke zu „Unpolitisch – weder rechts noch links?

  1. Ich denke, spätestens bei Rassismus und Gewaltbereitschaft hört Rechts-Toleranz auf. Doch nicht jeder will Kommunismus haben oder sich dafür outen und die Mehrheit ist hier in By (leider) recht konservativ und lässt sich lässt so nicht in rechts-links- Schubladen etikettieren.
    Soziales lässt sich nicht unpolitisch behandelnen, höchstens überparteilich
    Politisch kommt von Polis= Stadt, also das Zusammenleben betreffend.

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